Fundstücke
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Fundstück 21: Sheer Coincidence
Fundstück 22: Darwin Chess Award
Fundstück 23: Wie man sich eine Festung baut
Fundstück 24: Dreimal Keym-Task
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Fundstück 21, 27. Juli 2007
Wie mir mitgeteilt wurde, gibt es im Kunstschach ein Holst-Thema, bei dem Weiß eine schädliche Damenumwandlung in eine Springerumwandlung abwertet, um danach den thematischen Zug auszuführen, der zuvor an der Umwandlung gescheitert war. Das Ganze läuft folgendermassen ab (hier als Beispiel mit dem d-Bauern, es kann jedoch jeder Bauer verwendet werden):
1. X d1D!
1. Y d1S! 2. X
Dazu ein Beispiel:

Albert Renn
100 Jahre SV Würzburg 1965, 5. Lob
Matt in 3 Zügen
1. Tf7? g1D/L!
1. Tf2! g1S 2. Tf7!
Nach 1. Tf2 droht einfach 2. Df3+ nebst Matt, so dass die Springerumwandlung erzwungen ist. Holst-Thema in der Miniatur!
Eine kleine Abhandlung zum Thema finden Sie in der Schweizerischen Schachzeitung, Dezember 2003, S. 27, woraus ich auch dieses (oft nachgedruckte) Beispiel entnommen habe.
Bei dem Erfinder des Holst-Themas handelt es sich übrigens nicht um den aus dem Artikel zur Taxi-/Traktor-Studie bekannten H. van der Holst, sondern um einen dänischen Komponisten, der ebenfalls Holst hieß. Der Name ist - wie der Engländer sagen würde - "sheer coincidence".
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Fundstück 22, 2. September 2007
Hiermit verleihe ich spaßeshalber den Darwin Chess Award für besondere Leistungen im Gebiet des schachlichen Suizids. Ich beginne mit 2 Preisen, einer ehrenden Erwähnung, einem Lob und zwei Spezialpreisen.
1. Preis

Przepiorka - Ahues
Kecskemet 1927
Der erste Preis geht an den Studienkomponisten Przepiorka, der hier nach 1...Td8xd2 kurz überlegte, dann mit 2.Td2xb2 seinen eigenen (!) Läufer schlug und nach 2...Tb2xa2 in nur drei Halbzügen Turm, Läufer und Bauer verloren hatte. Ein Rekord, der nicht einfach zu überbieten sein wird.
Übrigens griff hier der Schiedsrichter ein und die Partie wurde vor Przepiorkas Zug fortgesetzt.
2. Preis

Ortega - Etcheverry
Havanna, Pan-Amerikanische Meisterschaft 1963
Dieser Preis geht geteilt an die beiden Spieler. Schwarz wollte hier mit 1...Se4-d2+ ein zweizügiges Matt erzwingen, woraufhin Weiß aufgab. Beide übersahen, dass nach 2.Le1xd2 die schwarze Dame gefesselt wäre...
1. Spezialpreis

Olsson - Andersson
Schweden 1969
Der Spezialpreis geht an Olsson, der 1969 in seiner Partie gegen Andersson die Idee hatte, sich mit 1.Lf3-e4?? einzusperren. Es folgte 1...b7-b5, und Weiß gab auf, da Schwarz seine Entwicklung mattbringend abschließt.
2. Spezialpreis

Menas - Braunstein
Bukarest 1960
Der 2. Spezialpreis geht an Menas, der diese rettungslos
gewonnene Position noch zum Remis verdarb. Unglaublich, aber...
1.b6-b7 Sf1-e3 2.b7-b8D Se3-f1+ 3.Kh2-g1?! Kh4-g3 4.Kg1xf1 h3-h2 5.Db8-h8??
h2-h1D+ 6.Dh8xh1 Patt!
Stattdessen hätte unter anderem 5.Dxf4+ Kxf4 6.Kg2 gewonnen.
1. Ehrende Erwähnung

Ladislav Prokes - Dr. Balogh
Schacholympiade Den Haag 1928
Dr. Balogh hat hier auszeichnenswerterweise auf das natürliche 1.Kc3-b2! gegen den bekannten Studienkomponisten mit 1...Kc6-b5? reagiert. Nach 2.Ta4-a5+! Kb5xb4 3.Th3-a3!! war die Falle zugeschnappt. Schwarz wird mattgesetzt oder verliert einen Turm.
1. Lob

N.N. - Tony Deutsch
New York 1971
Der mit den schwarzen Steinen agierende US-Meister entschied sich hier dafür, seinen Gegner zu unterstützen, indem er 15.Lf7-h5# ausführte. Leider ein regelgemäßer Zug, den der Gegner gefunden hätte, sodass höhere Ränge im Award verwehrt bleiben müssen.
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Fundstück 23, 9. September 2007
23. Wie man sich eine Festung baut

Iwanow - Dolmatow
Novosibirsk, 1976
Aus Sukharevs Region stammt auch dieses Wunder. Schwarz ist unrettbar verloren, versuchte aber noch den Trick 1. ... e4-e3. Was wäre nun natürlicher, als den Bauern zu nehmen? Nun, Weiß sah den Trick nicht und spielte 2.Td4xb4??, um nach 2. ... e3-e2!! 3.Tb4-e4 Lg6xf5 4.g4xf5 h5-h4! entsetzt festzustellen, dass der schwarzen Festung nicht beizukommen ist.

Stellung nach 4. ... h5-h4
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Fundstück 24, 22. Oktober 2007
Werner Keym machte mich auf ein Fundstück aufmerksam, das ich schon lange hätte einfügen sollen. Hier sehen Sie den (in der Schwalbe im August 2007 erstveröffentlichten) Keym-Task im Selbstmatt.

Peter Hoffmann
198. Thematurnier der Schwalbe, 1. Preis
Die Schwalbe, August 2007, S. 192
Selbstmatt in 8 Zügen
Aufmerksame Leser werden sich noch an Peter Hoffmann erinnern: Es ist derselbe Mann, der den zyklischen Babson geschaffen hat und am Babson-König beteiligt war. Hier hat er einen weiteren Task erreicht. Preisrichter Werner Keym: Eine absolute Spitzenleistung!
1. f8D+ Ke6 2. d8T! b6 3. Txd5! bxc5 4. Td8+!! c4 5.b4! (siehe dazu Korolkows Studie unten) cxb3 e.p. 6. La3! bxa2 7.0-0-0 a1L,S 8. Lb2,Db3+ Lxb2#,Sxb3#
Anzumerken bleibt (wie es Herr Keym im Preisbericht getan hat), dass nur die weißen Umwandlungen in Dame und Turm und die schwarzen in Springer und Läufer thematisch sind, da die schwarzen Umwandlungen in Dame und Turm nach der weißen großen Rochade undifferenziert und kurzzügig sind.

Peter Hoffmann
198. Thematurnier der Schwalbe, 2. Preis
Die Schwalbe, August 2007, S. 192
Selbstmatt in 9 Zügen
Hier hat der Babson-Pionier fünf Umwandlungen gezeigt. Nach Werner Keyms Preisbericht existieren hier aufgrund der insgesamt fünf Umwandlungen (...) die AUW (wD, wT, sL, sS) und der Valladao (mit der D-UW Ba7-a8D) unabhängig voneinander. Das ist noch mehr, als das Thema ohnehin schon verlangt! Dem Wort "unabhängig" kann ich nicht zustimmen, jedoch stimme ich darin überein, dass die fünfte Umwandlung das Sahnehäubchen ist, das Valladao und AUW (anstatt nur eine Valladao-AUW) zeigt.
1.d8T+ Ke7 2.f8D+ Ke6 3.Th6 b6 4.a8D bxc5 5.Da2+ c4 6.b4! cxb3 e.p. 7.La3! bxa2 8.0-0-0 a1L,S 9.Lb2,Db3+ Lb2#,Sxb3#
Zur Thematik der Umwandlungen siehe beim 1. Preis

Peter Hoffmann
198. Thematurnier der Schwalbe, 3. Preis
Die Schwalbe, August 2007, S. 192
Selbstmatt in 9 Zügen
Der deutsche Meister-Komponist hat mit der frühesten Fassung seiner Aufgabe den dritten Preis errungen. Hier muss sich der richtige Springer opfern:
1.d8T+ Ke7 2.f8D+ Ke6 3.Th6 b6 4.Sdc5! bxc5 5.La2+ c4 6.b4! cxb3 e.p. 7.Ld2 bxa2 8.0-0-0 a1L,S 9.Sb2,Db3+ Lxb2#,Sxb3#
Natürlich war der Mechanismus nicht unbekannt, ein Patt auszunutzen, um einen en-passant-Schlag zu erzwingen. Links der Originalausschnitt aus Schach 16/1957, S. 252. Man beachte das j, das aus der Transkription des russischen L entstanden sein dürfte.

Wladimir Alexandrowitsch Korolkow
Schach 16/1957 (2. Monatshälfte August 1957), S. 252
Weiß zieht und gewinnt
1. Sb5+ Ke5 2.Lb2+ c3! 3.Lxc3+ Dd4 4.Sxd4 cxd4 5.La1 d6! 6.c4! dxc3 e.p. 7.Lxc3#
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(c) 2006-2007 Siegfried Hornecker